Chips und Stacks und was sie wert sind

Chips und Stacks und was sie wert sind

Während der vielen Turniere bei der letzt jährigen World Series of Poker aber auch andernorts, wo ernsthaft Turnierpoker gespielt wird, hörte und hört man immer wieder die Frage eines Spielers an seinen aktuellen Kontrahenten: How much behind?, oder: How much left?

Die Antwort war dann immer eine Zahl, die mehr oder weniger genau die Menge an aktuell vorhanden Chips angab, die der Befragte noch übrig hatte, also den Wert seines Chipsstacks benannte. Mit dieser Information konnte der Fragesteller dann berechnen, ob es sich lohnt, seinen Gegner All-In zu stellen oder auf eine bessere Gelegenheit zu warten.
Betrachtet man so einen Chip ist es leicht, den Wert zu ermitteln, da er aufgedruckt ist. Aufgestapelt addieren sich die verfügbaren eigenen Chips zum Wert des Stacks, der wiederum mehr oder weniger viel Eindruck bei den Gegnern macht – vorrangig im Turnierpoker und bei einem Sit & Go.

Und damit ist auch schon die erste Annäherung erfolgt an das, was Chips über die aufgedruckten Zahlen hinaus an Wert besitzen.

Man kann damit richtig Eindruck bei den Gegnern schinden – vorausgesetzt, man hat genug davon.
Wenn der Chipleader einen Chip mit dem Aufdruck 1000 in die Mitte schiebt ist das für alle andren Spieler weit eindrucksvoller – und gefährlicher – als wenn der Small Stack am Tisch einen Chip mit dem gleichen Wert setzt. Niemand, der je an einem Pokertisch gesessen hat, wird sich vor dem Small Stack gefürchtet haben, dem nach seiner letzten Fehlentscheidung gerade einmal zehn oder zwölf Bif Blinds geblieben sind.

Es bleibt eine alte Pokerwahrheit, dass die Chips, die aufgestapelt vor einem Spieler einen mehr oder weniger bedrohlich wirkenden Stack bilden eine Wertigkeit besitzen, die über die einzeln aufgeprägten Zahlen weit hinausgehen. Für alle andren heißt das: geh dem Chipleader lieber solange aus dem Weg, bis du die Nuts hast.

Eine große Menge an Chips ist schon eine Bedrohung an sich, wenn sie vor einem Spieler stehen und jeder Spieler, der neu an den Tisch kommt, wird mit einem Blick bemerken, wo die guten Spieler und wo die weniger guten Spieler sitzen (oder wahlweise auch die glücklichen und die vom Pech verfolgten), allein indem er die nach Farben geordnete Menge der Chips taxiert.

Und darin liegt der wahre Wert der Chips, vor allem im Turnier. Je mehr man davon in der Summe hat, desto größer und weitgefasster sind die Möglichkeiten, das Spiel zu dominieren und jede Menge Druck auszuüben.