Chips zu verschenken beim Poker

Chips zu verschenken beim Poker

Seine Chips zu verschenken beim Poker, auch die Chips, die man sich im Rahmen eines Turniers schwer erarbeitet hat, ist mit Abstand das Einfachste, was man beim Poker tun kann. Man muss dafür noch nicht einmal schlecht spielen oder ein grundlegendes Verständnis des Spiels besitzen. Es genügt, solange all seine Chips immer wieder in die Mitte zu schieben, bis man dem einen gegnerischen Spieler, der dann doch irgendwann callt, schlussendlich unterliegt.
Das passiert nicht oft, aber unbekannt ist es auch nicht. Zugegeben, es geschieht in Turnieren häufiger als in Cash-Games. Denn in Turnieren sind falsche Entscheidungen, der Verlust der Kontrolle (steamy, tilt) oder Suck-Outs, viel gravierender als im Cash-Game.

Wenns also nicht so läuft, wie man’s selber gerne hätte, erlebt man auch als erfahrener Spieler immer wieder, wie man nach und nach sein ehemals gutes Spiel zu variieren beginnt. Mit dem zunehmendem Verlust der Chips, deutlich sichtbar in einem ständig schrumpfenden Stack, der einem direkt vor der Nase steht, neigen manche Spieler dazu, höhere Risiken einzugehen. Dahinter steht nicht so sehr das Verlangen, die verlorenen Chips augenblicklich zurück zu gewinnen – im Poker verliert man immer mal wieder – es handelt sich vielmehr um den Versuch, die Kontrolle über sein Spiel und, wenn möglich, über so viele Gegner am Tisch wie möglich zu behalten oder wieder zu erlangen. Es ist der Versuch, sich eben keine (weitere) Blöße zu geben. Denn oftmals kommt mit zwei oder drei innerhalb kurzer Zeit verlorenen Händen auch eine Veränderung im eigenen Spielfluss. Der Motor stottert. Aber anstatt gefühlvoll Gas zu geben, oder mal eben schnell die Zündkerzen zu checken, treten viele das Gaspedal einmal voll durch und wundern sich, wenn der Wagen absäuft.

Chips zu verschenken könnte dann auch in fetten Lettern an den einzelnen Plätzen der betroffenen Spieler stehen. Im Cash-Game wird es mit ein bisschen Glück nur ein bisschen teuer – wenn man die Kurve früh genug kriegt, aufsteht und geht. Das ist der große Vorteil gegenüber einem Turnier. Denn aus einem Turnier kommt man nicht so ohne weiteres raus, wenn’s mal schlecht läuft, oder wenn man die Kontrolle zu verlieren beginnt. Da muss man dann durch. Und es kommt immer wieder vor, das ein noch eben ausgeglichener Spieler nach einem Suck-Out den Rest seiner Chips aufs Spiel setzt und dann sang- und klanglos aus dem Turnier ausscheidet. Das wird dann besonders schmerzlich, wenn man kurz vor den bezahlten Rängen steht.
Poker ist Arbeit und erfordert immer eine hohe Konzentration. Wenn diese sich auflöst, aufgrund zu vieler Stunden am Tisch, durch einen Suck-Out oder mehrere direkt nacheinander verlorene Hände, dann heißt es im Turnier sich zurücklehnen, die Blinds weiter bezahlen und für einen Zeitraum von 30 Minuten oder einer Stunde nur noch Premium-Hände zu spielen. Meistens genügt diese Spanne Zeit, um wieder Fuß zu fassen, wenn nicht, läuft man bei jeder Hand Gefahr, seine Chips zu verschenken.