Disziplin beim Pokern ist auch keine Lösung

Disziplin beim Pokern ist auch keine Lösung

Ist Disziplin wichtig beim Pokern? Man wird im weiten Pokerrund niemanden finden, der sich an den Pokertisch setzt und zufrieden ist, wenn’s mal nicht so gut läuft. Da sind sich alle Spieler einig. Es geht ums gewinnen. Immer! Und gewinnen macht ja auch viel mehr Spaß als den Status zu halten oder, schlimmer, sich ein blaues Auge nach dem anderen abzuholen und zu verlieren.

Allerdings ist dass mit dem Gewinnen so eine Sache. Meistens reicht es dafür nicht aus. Mal sind’s die Karten, die nicht taugen, mal hat man einen schlechten Tag. Ein anders Mal stimmen zwar die Odds und Outs, aber keine Hand verbessert sich und an manchen Tagen fehlt schlicht das Glück, das man als Spieler – trotz aller Strategie – immer wieder mal braucht.

Wenn’s nicht läuft, ändert man irgend wann, manchmal fast unmerklich, sein Spielverhalten. Die einen reagieren auf schlechte Zeiten mit höherer Aggressivität und befeuern den Pot auch mit grenzwertigen Starthänden, die andern lehnen sich zurück, beobachten ihre Gegner und werden tighter, bis sie sich nur noch bewegen, wenn sie 2 Asse, 2 Könige oder 2 Damen aufnehmen.

Egal, wie man reagiert, man darf beim Pokern die Disziplin nicht aufgeben – so heißt es. Wenn man meint, hinten zu liegen, ist es immer gut, sich von seiner Hand zu trennen. In den meisten Fällen hilft das zumindest, die Verluste zu begrenzen. Also ist die Sache mit der Disziplin gar nicht mal so schlecht.

Aber reicht das heutzutage noch? Sind nicht irgendwie alle diszipliniert und geduldigem Pokern?

Pokerneulinge hören und lesen diesen Satz immer wieder, wenn sie ihre ersten Schritte versuchen: Sei diszipliniert. Aber die Zeiten ändern sich. Das Spiel verändert sich. Online mehr als live. Die Forderung nach persönlicher Disziplin ist ein Lehrsatz geworden, ohne den es nicht mehr geht. Und so sieht man sich am Tisch fast ausschließlich Spielern gegenüber, die ausgesprochen diszipliniert spielen. Zugegeben, diese Online-Spieler sitzen an so vielen Tische gleichzeitig, dass sie gar nicht anders können, als diszipliniert zu agieren.

Wer 10 Tische simultan bespielt bekommt die Bullets eben 10 Mal häufiger als einer, der nur an einem einzigen Tisch sitzt.
Man fragt sich natürlich, was passieren wird, wenn diese Spieler für Stunden an nur noch einem einzigen Tisch sitzen. Da braucht es dann neben der Disziplin noch etwas anderes. Geduld vielleicht, oder das Vermögen, Hände zu lesen.

Will man heutzutage noch Gewinn machen, dauerhaft womöglich, braucht es weiterführende Taktiken und Strategien. Allerdings schadet es nicht, von beidem genug zu haben, um auch längere Durststrecken zu überstehen.