Gegner aussuchen

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In einer idealen Welt findet man sie immer, die Spieler, die bezahlen, zumindest in der Theorie. Aber online und in dieser Welt sind sie eher selten anzutreffen. Und trotzdem sind das die Gegner, die man gerne am Tisch hat. Denn für gute Hände braucht es dauerhaft auch eine entsprechende Auszahlung. Und da sind nun mal die unerfahrenen Gegner eher geneigt, ihre Hand zu überspielen als es die erfahrenen Spieler tun.

Eine gute Hand, egal obs ein hohes Pocket-Pair, ein Set, eine gefloppte Straight, ein Flush  vielleicht in Herz oder auch gerne mal ein Full House ist – am Ende ists egal, die gute Hand  muss immer genug Qualität besitzen, das man damit angreifen und letztendlich auch den Pot gewinnen kann. Wenn man mit guten Händen nur die Blinds und die ersten kleinen fürs preflop-limpen gezahlten Einsätze gewinnt, gewinnt man nicht genug, verliert nach und nach an Boden und das geht dann irgendwann zu Lasten der Bankroll.

Besonders an einem loose gespielten Tischen ist die Auszahlung für gute Hände wichtig. Denn wer der Theorie folgt, wird an einem loosen Tisch eher zurückhaltend, also tight agieren und auf die guten Karten warten. Doch die Blinds und womöglich das Ante müssen ja trotzdem reihum gezahlt werden.

Aber manchmal gibt es sie, jene loose-passiven Spieler, die gern limpen und mit viel zu viel Selbstvertrauen in die einzelnen Auseinandersetzungen gehen. Diesen einen Spieler gilt es innerhalb kürzester Zeit am Tisch auszumachen und alle moves, die man mit guten Händen macht, vorzugsweise auf diesen Spieler auszurichten.

Diesen Spieler zu lokalisieren ist nicht immer einfach. Es gibt ihn auch nicht an jedem Tisch. Selbst geübte Spieler gelingt es nicht immer im gewünschten Zeitrahmen ihn zu finden. Je nach Tischdynamik und den gebotenen Möglichkeiten im Spiel gestaltet sich dieses Unterfangen mal einfacher, mal schwieriger.

Sollte man diesen Spieler, auch nach mehreren Runden, noch immer nicht gefunden haben, ist man es möglicherweise selber – so meinte Mark Twain einmal. Und wenn’s man selber nicht ist, gibt’s vielleicht keinen. Dann heißt es abwarten, irgendwann ändert sich die Tischzusammensetzung.

Das alles klingt ein bisschen so wie damals bei den Raubrittern. Es hat den Anschein, als säßen Pokerspieler mit allzu laxen moralischen Einstellungen an den Pokertischen, einzig  mit dem Ziel, auf die zu warten und dann auszunehmen, die sich nicht wehren können.

Das mag stimmen, das mag falsch sein. Ich habe keine Ahnung. Aber ich weiß, dass jeder Spieler an jedem Tisch, jeden anderen Spieler schlagen kann. Vielleicht gelingt das nur für einen begrenzten Zeitraum, manchmal auch für länger. Wen kümmert es. Auf lange Sicht setzt sich immer der durch, der das Spiel ernst nimmt, sich mit der Theorie vertraut gemacht hat und ständig versucht, sein Spiel zu verbessern. Auf der anderen Seite wird es immer ein paar geben, die just-for-fun bereit sind, aus ihren 50 Dollar mal eben 500 Dollar zu machen. Manchen gelingt das sogar.