Table Image am Pokertisch

Neben all der Mathematik, die als gutes Rüstzeug für profitables Pokerspiel steht, gibt es noch einige Dinge, auf die jeder Spieler achten sollte: Sein Table Image. Das Table Image eines Spielers entscheidet oft darüber, ob man mit einem Bluff durchkommt, oder nicht, oder ob man mit  dem Reraise den letzten Gegenspieler aus der Hand vertreiben kann.

So einfach es ist, es bei anderen festzumachen, so schwierig ist es, das eigene Table Image aufzubauen. Noch schwieriger ist es, dass Table Image dass man sich mühsam aufgebaut hat, auch zu bewahren.

Ständig bewerten Pokerspieler die Spielsituation neu, verändern ihre Ansicht über diesen oder jenen Spieler mit jeder gespielten Hand. Und dabei ist es völlig gleich, ob man selber in die Hand verwickelt ist oder nur zuschaut. Mit ein bisschen Erfahrung laufen viele Teile, aus denen sich das Gesamtbild gegnerischen Images zusammensetzt, nahezu von allein zusammen.

Alles beginnt mit der Einteilung von loose und tight. Im nächsten Schritt versucht man herauszufinden, ob der Spieler gegenüber eher aktiv oder eher passiv spielt. Ist sein Setzverhalten aggressiv oder nicht? Macht er den Pot gern preflop mit entsprechend hohen Bets, Raises und Reraises klar? Oder sieht er sich gern viele Flops an? Spielt dieser oder jener gern Asse, raist er seine Premium-Hände oder schleicht er in den Pot, um dann später zuzuschlagen?

Manchmal dauert es eine Stunde oder mehr, bevor man sich ein einigermaßen klares Bild von seinen Gegnern gemacht hat. Und genauso, wie man selber versucht, die Geheimnissee der Gegenspieler zu lüften, wird man selber ständig beobachtet. Jede Hand, jede Aktion wird bewertet und bildet irgendwann ein sinnvolles Ganzes. Um diesen Tatbestand für sich zu nutzen, muss man nicht nur seine Gegner, sondern auch sich selber ständig beobachten und fragen, wie man in der aktuellen Situation auf seine Gegenspieler wirkt. Wenn jeder am Tisch glaubt, dass Herr X tight spielt, wird man seinem reraise All-In mehr Glauben schenken als wenn er die selbe Aktion mit dem Table Image eines Maniacs durchführt.

Manchmal verändert sich das eigene Table Image aber auch über die Spielkonstellationen. Nehmen wir an Herr X ist ein bedächtiger, sorgfältiger Spieler, der den tighten Stil bevorzugt. Er setzt sich an einen Ring-Game-Tisch und erhält in den ersten fünf Händen nur Premium-Startkarten, die er alle ordentlich erhöht. Da seinen Gegenspieler in allen 5 Runden nichts vorzuweisen haben, wird nicht einmal ein Flop ausgegeben. Zwar ist Herr X zu diesem Zeitpunkt noch immer ein tighter Spieler, seinen Gegner halten ihn allerdings für einen loosen und aggressiven Spieler. Es kann lange dauern, bis Herr X seine Gegenspieler von seinem wirklichen Spielstil überzeugt hat. Bis dahin sollte er das falsche Bild, dass seine Gegner von ihm haben, für die eine oder andere Überraschung nutzen.