On Tilt beim Poker

On Tilt beim Poker

„On Tilt“ ist ein Begriff aus dem englischen, mit dessen Hilfe man einen einzigen Gemütszustand eines Spielers beschreibt. On Tilt bedeutet wörtlich übersetzt: ‚kippen’, ‚verkanten’, ‚umkippen’. So beschreibt der Begriff tilt den Gemütszustand eines Spielers, der sein Spiel und sich selbst nicht mehr unter Kontrolle hat, dessen Spielweise umgekippt ist.

Die Zeit, die es gewöhnlich dauert, vom ruhigen, disziplinierten Spiel zum Spiel on tilt zu kommen, trägt die Bezeichnung steamy (dampfend, unter Druck). In dieser kurzen Spanne Zeit kann ein Spieler, der vielleicht mehrere Bad Beats einstecken musste und dessen Drawing Hands trotz bester Outs und Odds sich nicht komplettierten, heißlaufen, und wie bei einem Dampfkessel sorgt die Hitze dafür, dass der vom Dampf stetig anwachsende Druck zu Fehlfunktionen des Antriebs führt.

Gute Spieler erkennen es ziemlich schnell, wenn ein Gegner heiß läuft und seine Setzmuster ändert. Sie nutzen dieses Phase der Desorientierung beim ohnehin schon angeschlagenen Gegner, um ihn weiter unter zu Druck zu setzen, den Kessel am Kochen zu halten, damit er  weitere Fehler macht, schließlich tilt und dann ausgespielt werden kann.

Wer merkt, dass das eigene Spiel von vorangegangenen verlorenen Händen beeinflusst wird, wer seinen Kopf nicht schnell genug frei bekommt, um sich auf die gegenwärtigen Situation zu konzentrieren, sollte unbedingt eine kurze Auszeit nehmen, vom Tisch aufstehen und sich ne Brise frischer Luft um die Nase wehen lassen. Manchmal genügen schon wenige Minuten der Ruhe, in denen man am Tisch kaum etwas verpasst, sich aber hinterher wesentlich besser fühlt. Dazu ist es natürlich erforderlich, dass man in der Lage ist, sich selbst einzugestehen, augenblicklich nicht das beste Poker zu spielen, zu dem man fähig ist.

Es gibt Spieler, die ihren Gemütszustand nach dem Verlust eines großen Pots sehr schnell analysieren und dann einfach einen oder zwei Gänge runterschalten, die nächsten Hände, selbst spielbare Startkarten folden, um verlustfrei wieder Fuß zu fassen und in Tritt zu kommen.

Spieler, denen das nicht gelungen ist, haben in der Regel mehr Geld verloren, als sie bei ruhiger, ausgeglichener Spielweise verloren hätten.
Hält der negative Gemütszustand über einen längeren Zeitraum an und wird das Spiel nicht unterbrochen, können die Verluste enorm sein. Der Wunsch, das Verlorene wieder zurückzugewinnen, wird übermächtig, so dass für das erreichen dieses Zieles auch das solide Pokerspiel aufgegeben wird.

In Fällen wie diesen kann es helfen, sich erneut mit der Theorie des Spiels auseinander zusetzen und das Spiel selbst für eine zeitlang ruhen zu lassen.